Ballongruppe Zürich gegründet 1910

(Ostschweizerischer Verein für Luftschifffahrt)


Im Frühjahr 1901 schlossen sich in Bern die Militär-Ballonpiloten und Sympathisanten der zivilen Luftfahrt zum Schweizerischen Aero-Club zusammen. Zweck des Vereins war: "das Studium der Luftfahrt unter allen ihren Formen und der Meteorologie, die sich eng daran anschliesst".

In den folgenden Jahren entwickelten die Ballonpiloten eine recht rege Fahrtätigkeit mit gemieteten Ballonen. 1908 kaufte der SAeC den ersten Ballon und taufte ihn „Helvetia“. Im gleichen Jahr fand in Berlin die von James Gordon Bennett gegründete Ballonweitfahrt statt. Der Wettbewerb wurde von der Schweizermannschaft Oberst Theodor Schaeck und Lt. Emil Messner gewonnen. Sie fuhren in 72 Std. 25 Min. eine Strecke von 1'190 km von Berlin nach Bergseth / Norwegen. Das Reglement bestimmte, dass die „Siegernation“ das folgende Wettfahren organisieren musste. Also schlossen sich die ostschweizerischen Mitglieder des SAeC im Hinblick auf die Organisation der Gordon Bennett Wettfahrt zusammen. Diese fand im Oktober 1909 im Gaswerk Schlieren / ZH statt. Die Zuschauerzahl wurde an den drei Wettfahrttagen auf ca. 200'000 geschätzt. Nach diesem riesigen Erfolg beschlossen die Zürcher Mitglieder, eine eigene Sektion des SAeC zu gründen.

Am 01. Mai 1910 wurde im Hotel St. Gotthard in Zürich der Ostschweizerische Verein für Luftschifffahrt (OVL) aus der Taufe gehoben. Dies war die erste selbständige Sektion des SAeC. Ebenfalls im Mai gründete Oberst Schaeck in Bern die Sektion Mittelschweiz.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Gasballonfahrt sehr gut. Zu den Militärpiloten gesellten sich bald auch zivile Ballonfahrer. Unterbrochen wurden die fliegerischen Tätigkeiten jeweils durch die beiden Weltkriege. In beiden Kriegszeiten wurde das Material von der Armee requiriert und militärisch eingesetzt. Sogar 1939, nachdem die Schweizerischen Ballontruppen bereits 1937 aufgehoben worden waren, wurde der 1. Heissluftballon der Schweiz, HB-BIR "Forsanose", eingezogen und als Forschungsballon für meteorologische Studien eingesetzt.

In den ersten 10 Jahren des Vereins wurden in Zürich aber auch zwei weitere Flugvereine, die "Gesellschaft Schweiz. Militärflieger" und die "Ad Astra" gegründet. ... Im Jahre 1921 folgte in Zürich als 4. Verein der „Schweizerische Fliegerbund“. 1925 wurde zudem die Gleit- und Segelfluggruppe als Untersektion des OVL gegründet. Die konservativen „Ballönler“ konnten sich mit der Motorfliegerei gar nicht anfreunden, obwohl sie neidisch auf die Entwicklung der Tätigkeiten auf dem Flugfeld in Dübendorf äugten! Der OVL war fliegerisch praktisch auf dem Nullpunkt angelangt. 1929 folgte der „Zürcher Flug-Club“ als weiterer Motorflugverein. Dies zwang den OVL 1928 die Aufnahme des aktiven Motorflugbetriebs und die Gründung der Motorfluggruppe des OVL. Auftrieb gab in diesen Jahren der Ballongruppe nochmals die Rekordaufstiege unseres Mitglieds Auguste Piccard ab Augsburg und Dübendorf.

Aber auch die Motorflugvereine lösten sich in den 20er Jahren infolge unterschiedlicher Interessen fast alle auf. Im Jahre 1933 schlossen sich der OVL (Ballon, Segel- und Motorflug) mit dem Zürcher Flug-Club zur Sektion Zürich des Aero-Club der Schweiz zusammen. In dieser Organisation konnten sich die verschiedenen Sparten gegenseitig unterstützen und in den folgenden Jahrzehnten positiv entwickeln. Obwohl natürlich die Ballongruppe immer noch als konservativer und antiquierter Verein von alten Militärballönler galt. Dies führte dann auch immer wieder zu grossen Meinungsverschiedenheiten und zu einigen Spaltungen der Gruppe. Gründe waren vor allem das Verbot von Werbe- und Privatballonen, sowie die restriktive Aufnahme von neuen Mitgliedern.

Von 1910 bis 1976 waren die „Ballönler“ im Gaswerk Schlieren beheimatet. Dann wurde die Gasproduktion eingestellt und Schlieren an das europäische Erdgasnetz angeschlossen. Von dieser Zeit an mussten wir unsere Aufstiege vor allem auf die Füllplätze von Attisholz / SO und Bronschhofen / SG verlegen. Bis 1982 durften wir unser Material noch in der alten Ballonhalle lagern. Dann führte die Stadt Zürich als Eigentümerin, die Gebäude und Grundstücke anderen Nutzungen zu. Nach dem Auszug aus Schlieren begann für unseren Verein eine Periode der „Wanderschaft“. Dank guten Beziehungen konnten wir uns während einigen Jahren in einer alten Liegenschaft der Zürcher Ziegeleien niederlassen. Aber auch hier entstand eine neue Überbauung, so dass wir nach vier Jahren bereits wieder eine Unterkunft suchen mussten. Dank unseres Ehrenmitglieds Martin Hafter, durften wir unsere Ballone bis 1993 in einer Altliegenschaft seiner Firma unterbringen. Dann wurde auch dieses Gelände überbaut. Glücklicherweise stellte uns die Firma Cellulose Attisholz AG einige Zeit später ein Grundstück zur Verfügung, wo wir im Baurecht eine grosse Baracke aus Militärbeständen aufbauen konnten.
Mit der Zeit mussten wir leider auch diese "home base" wieder aufgeben. Wir benutzen seitdem den offiziellen Startplatz (Bad-Zurzach). Andere Startplätze sind auch möglich, es benötigt aber eine flixible Lieferquelle des Wasserstoffs - mit Lastwagen.

Trotz all diesen Wirren überlebte der Verein alle Jahrzehnte mit Höhen und Tiefen. Auch wenn es in den letzten Jahren durch die grosse Konkurrenz der Heissluftballone, die stets steigenden Gaskosten und die schwindende Pilotenzahl etwas ruhig um die Ballongruppe Zürich geworden ist, bemühen wir uns, die lange Tradition der Gasballonfahrt aufrecht zu erhalten. (siehe zu diesem Thema: „Eine kurze Geschichte über die Gasballone“)

Erich Zweifel, ehemaliger Aktuar

 

Jubiläumsaufstige Letzigrund 2010 - Heissluftballone

 

 

Jubiläumsaufstige Letzigrund 2010 - Gasballone

 
 
 
 

Vorstand

Obmann

Zweifel Andreas

Aktuar

 

Kassier

Grätzer Ruedi

Kassier BGZ

 

Technik

Ganz Daniel

Technik

 

Beisitzer / Archivar / Chronist

Brader Peter

Archivar

 

Beisitzer

Balthasar Wicki

 

Revisionsstelle

Marie-Theres Ganz, Claudia Kohler